Vom Baustoff zum Bildmotiv: Die Ästhetik des Funktionalen

Was passiert, wenn nachhaltige Baustoffe nicht nur funktional bewertet, sondern auch ästhetisch inszeniert werden? Die «Materials Collection» von Jordan Kouto verbindet genau diese beiden Ebenen. Ursprünglich als Vermittlungswerkzeug konzipiert, prägt sie heute die Markenidentität von EcoTool und eröffnet neue Perspektiven auf Materialkultur und Wahrnehmung.

Klein im Einzelnen, überraschend umfangreich im Ganzen: So lässt sich Jordan Koutos Materialsammlung beschreiben. Bei unserem Treffen im Impact Hub Zürich wird schnell klar, dass sie eigene Logistik braucht – auf zwei Rädern transportiert und zu vielfältig für einen einzigen Tisch. Gerade diese Vielfalt schafft den passenden Rahmen für ein Gespräch über die «Materials Collection», nachhaltige Baustoffe und neue Formen der Wahrnehmung.

EcoTool: Jordan, wie hat sich dein Weg vom Bauhandwerk hin zur Beschäftigung mit nachhaltigem Bauen entwickelt?
Jordan: Ich habe eine Zeit lang als Bauführer im Tessin gearbeitet, verspürte dann aber bald den Drang, mich auf Basis meiner persönlichen Werte in eine Richtung weiterzubilden, die das konventionelle Bauen hinterfragt. Mit einem Lehrgang in Baubiologie konnte ich mich intensiv mit gesundem und nachhaltigem Bauen sowie ökologischen Baustoffen auseinandersetzen. Diesen Lehrgang gibt es seit rund 30 Jahren, und heute bin ich selbst Kursleiter bei sanu future learning ag.

EcoTool: Und in diesem Zusammenhang ist deine eigene Materialsammlung entstanden?
Jordan: Genau. In diesem Prozess wurde ich zum ersten Mal so richtig mit der Vielfalt ökologischer Baustoffe als Alternative zu konventionellen Materialien konfrontiert. In einer Übung organisierte jede Kursteilnehmerin und jeder Kursteilnehmer einige dieser Materialien für die Gruppe, sodass für alle eine kleine Sammlung entstand. Auf dieser Grundlage habe ich meine eigene Sammlung immer weiter ausgebaut und aktualisiere sie seither laufend mit neuen Materialien, die auf den Markt kommen. Mit rund 170 haptischen Materialmustern hat der Koffer inzwischen ein beachtliches Volumen erreicht und braucht mittlerweile sogar zwei Räder zum Transport. 

Jordan Kouto (r.) zeigt Pascal Imhof von EcoTool (l.) die Materialsammlung.
Verschiedene Dämmmaterialien aus Recyclingprozessen oder aus Naturbaustoffen wie Holzwolle, Jute oder Pilzen.

EcoTool: Wie kommt die Materialsammlung in deinem Berufsalltag zum Einsatz?
Jordan: Als Kursleiter bei sanu future learning ag nutze ich sie aktiv als Vermittlungswerkzeug im Bereich Materialwissenschaft im Lehrgang «Experte/Expertin für gesundes und nachhaltiges Bauen», zeige sie aber durch die Referierenden auch im Lehrgang für Baubiologie. Beim Erarbeiten von Materialkonzepten für die verschiedenen Bauteilaufbauten ist es hilfreich, anhand eines haptischen Beispiels die entsprechenden Eigenschaften besser kennenzulernen. Mit meiner eigenen Firma Kouto Alternative Building bin ich zusätzlich als Berater tätig und biete auch Workshops an, um Menschen für ökologische Baustoffe, Baubiologie und die verschiedenen Faktoren zu sensibilisieren, die unser Wohlbefinden in einem Raum beeinflussen.

EcoTool: Ist die Ökobilanzierung der entsprechenden Bauteile oder ganzer Gebäude auch ein Thema?
Jordan: Ja, das gehört auf jeden Fall dazu. Bei der Planung ist die Ökobilanzierung natürlich ein wichtiger Bestandteil. Lange haben wir dafür mit einer Excel-Tabelle gearbeitet, inzwischen nutzen wir aber EcoTool, weil es schneller, ganzheitlicher und intuitiver verständlich ist.

EcoTool: Du kommst in deinem Berufsalltag ja mit vielen Leuten aus der Baubranche in Kontakt. Wie hat sich das Bewusstsein für nachhaltiges Bauen in den letzten Jahren entwickelt?
Jordan: Ich sehe eine kontinuierliche Entwicklung hin zu mehr Offenheit und Interesse für nachhaltiges Bauen. Auf der Ebene der Institutionen, also bei Gemeinden und Kantonen, bewegt sich zum Beispiel im Bereich von Projektwettbewerben viel. Dort ist ökologische Nachhaltigkeit zu einem sehr wichtigen Kriterium geworden. Auch bei privaten Investoren wächst das Interesse, je länger je mehr Vorzeigeprojekte zu realisieren. Neben dem Bauen mit Holz steigt im Moment auch das Interesse an Materialalternativen wie Lehm, Stroh oder Hanfkalk.

«Bei der Planung ist die Ökobilanzierung natürlich ein wichtiger Bestandteil. Lange haben wir dafür mit einer Excel-Tabelle gearbeitet, inzwischen nutzen wir aber EcoTool, weil es schneller, ganzheitlicher und intuitiver verständlich ist.»
Jordan Kouto, Projektleiter Planung & Bau – sanu.

EcoTool: Spürst du ein solches Interesse auch bei jüngeren Berufstätigen oder Studierenden?
Jordan: Ganz klar, ja. Ökologische Baustoffe stossen bei jüngeren Studierenden auf immer mehr Interesse. Viele sind mit Themen wie Klima und Umweltschutz aufgewachsen und entsprechend sensibilisiert. Gleichzeitig wurde in den letzten Jahren viel geforscht. Neue ökologische Baustoffe, Bauweisen und Konstruktionsprinzipien wurden weiterentwickelt und marktfähig gemacht. Dadurch entstehen jedes Jahr mehr Möglichkeiten, ökologisch zu bauen. Und das zunehmend auch unter Berücksichtigung von Kostenbewusstsein und ästhetischen Ansprüchen.

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Jordan Kouto ist gelernter Maurer und hat eine Weiterbildung als Techniker im Hochbau absolviert. Mit einem Lehrgang in Baubiologie hat er sich auf nachhaltiges und gesundes Bauen spezialisiert. Mit seiner Firma Kouto Alternative Building begleitet er Unternehmen und Projektteams bei der Planung und Umsetzung von Bauprojekten mit Fokus auf Nachhaltigkeit, Gesundheit und gestalterischer Qualität.

Als Kursleiter bei sanu future learning ag unterstützt er zudem Privatpersonen, Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen dabei, fachliche, strategische und systemische Kompetenzen aufzubauen und nachhaltige Transformation in die Praxis zu überführen.

EcoTool: Zum Stichwort Ästhetik, erzähl uns etwas über dein Projekt «Materials Collection», also die fotografische Inszenierung deiner Baumaterialmuster.
Jordan: Das Projekt entstand während des Aufbaus meiner Materialsammlung. Jemand machte mich darauf aufmerksam, die physischen Muster häufiger zu zeigen, statt sie die meiste Zeit im Keller zu behalten und nur selten im Workshop. Später kam ich auf die Idee, sie auch fotografisch festzuhalten. Zusammen mit dem Fotografen Simone Cavadini entwickelte sich daraus ein visuelles Konzept, das Materialien nicht nach ihrer Funktion oder ihren Eigenschaften sortiert, sondern allein nach Farbe und Textur miteinander in Beziehung setzt. So werden Baustoffe, die sonst vor allem als funktionale Elemente wahrgenommen werden, selbst zum Bildmotiv und sensibilisieren uns dafür, wie vielfältig die Möglichkeiten des ökologischen Bauens geworden sind.

EcoTool: Und damit hast du auch uns auf dein Projekt aufmerksam gemacht.
Jordan: Genau, mich freut natürlich sehr, wie sich dieses Bildkonzept entwickelt hat und nun auch die Markenerscheinung von EcoTool mitprägt. Als regelmässiger Nutzer macht es mir besonders Freude, beim Login und an anderen Stellen in der App immer wieder neue Kompositionen zu entdecken.

EcoTool: Jordan, vielen Dank für das spannende Interview, den interessanten Einblick in deine Arbeit und deinen Beitrag zu EcoTool.

→ Die neue Bildwelt findet derzeit Schritt für Schritt ihren Platz in der Markenerscheinung von EcoTool und wird nach und nach überall sichtbar.

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