Case Study Berner Fachhochschule:
Interdisziplinäre Lehre als Reallabor für nachhaltiges Bauen
Wie sieht die integrale Planung der Zukunft aus? Am Department Architektur, Holz und Bau der Berner Fachhochschule (BFH) arbeiten rund 120 Studierende fachübergreifend an nachhaltigen Bauprojekten. Begleitet von einem interdisziplinären Expertenteam dient EcoTool dabei als wertvolles Steuerungsinstrument, um ökologische Auswirkungen bereits in der frühen Entwurfsphase greifbar und vergleichbar zu machen.
Integrale Planung unter realen Bedingungen
Um die Herausforderungen moderner Bauprojekte in der Lehre praxisnah abzubilden, hat die BFH das Interdisziplinäre Projekt (IDP) implementiert. In gemischten Teams aus Architektur, Bauingenieurwesen, Holzbau und Holzwirtschaft entwickeln die Studierenden ein Bauwerk von der ersten Idee bis annähernd zur Ausführungsplanung. Ziel ist ein Kulturtransfer, der effizientere und nachhaltigere Planungsprozesse ermöglicht, indem die Studierenden die Denk- und Arbeitsweisen der jeweils anderen Disziplinen direkt im Projektalltag kennenlernen.
EcoTool als Ergänzung im Planungsprozess
Ein relevanter Teil des Moduls ist die Auseinandersetzung mit einem vorgegebenen CO₂-Budget. Nach einer Einführung via Webinar durch Oliver Kirschbaum nutzen die Studierenden EcoTool, um ihre Entwürfe begleitend zu bilanzieren. Das Tool ermöglicht es den Teams, verschiedene Materialentscheidungen und Konstruktionsvarianten unkompliziert auf ihre Klimawirkung hin zu prüfen. Punktuelle Coachings während des Semesters unterstützen die Studierenden dabei, die Ergebnisse einzuordnen und ihre Projekte im Hinblick auf die ökologischen Vorgaben zu schärfen.
Von der Analyse zur kreislauffähigen Konstruktion
Grundlage der Entwurfsentscheidungen ist die intensive Auseinandersetzung mit lokal verfügbaren Ressourcen und nachhaltigen Strategien wie «Design for Disassembly» oder «Cradle to Cradle». Die Studierenden entwickeln modulare Systeme, die als Teil eines lebendigen ökologischen Kreislaufs agieren. EcoTool liefert hierfür wertvolle Daten über den Lebenszyklus hinweg – von der Erstellung bis zum Rückbau – und ergänzt so die vielfältigen fachlichen Anforderungen, die in einem interdisziplinären Team koordiniert werden müssen.
Einblicke in die Studierendenprojekte
Projekt «Spital» für Porto Brandão
Unter dem Leitgedanken eines «Spitals» versteht das zukunftsweisende Projekt das am Flussufer des Tejo gelegene Dorf Porto Brandão als Patienten: Statt auf Abriss und Neubau setzt das Konzept konsequent auf die behutsame Reparatur, Pflege und Aktivierung der bestehenden Strukturen. Entlang eines historischen Fährstegs wurden funktionale Räume entworfen, die soziale Teilhabe, traditionelles Handwerk und ökologische Architektur harmonisch vereinen.
Das Materialkonzept basiert auf Kreislaufwirtschaft und Regionalität: Zum Einsatz kommen zu 87% natürliche, rückbaubare Ressourcen wie Lehm, Holz und Kork aus der Region sowie wiederverwendete Bauteile. Um die ökologischen Vorteile dieser nachhaltigen Bauweise präzise zu bilanzieren und den CO₂-Fussabdruck über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu optimieren, kam EcoTool für die Lebenszyklusanalyse zum Einsatz.
«Dank EcoTool haben wir wichtige Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit von Materialien im Gesamtkontext von Gebäuden gewonnen. Wir konnten viele Varianten erstellen und diese auf sehr einfache Weise miteinander vergleichen. Das Tool war für unsere Teamarbeit extrem intuitiv und effizient.»
«Nach dem Einführungs-Webinar waren wir sofort startklar. Die intuitive Benutzerführung hat es uns ermöglicht, unsere Ideen schnell zu erfassen und konsequent in Varianten zu denken. Das Coaching hat uns geholfen, auch bei komplexen Detailfragen zur Ökobilanzierung die richtigen Antworten zu finden.»
Projekt «Zostera» für den Hafen von Triest
Das Projekt «Zostera» umfasst den Neubau eines multifunktionalen Gebäudes direkt im Hafen von Triest, das als visionäres Produktions-, Forschungs- und Wissenszentrum für Seegras konzipiert ist. Ziel ist die Aufwertung des regional anfallenden Seegrases zu einem nachhaltigen Baustoff – von der Sammlung und Trocknung über die handwerkliche Verarbeitung bis hin zur Wissensvermittlung. Der markante Holzskelettbau ergänzt ein bestehendes Gebäude auf dem Areal, in welchem die Reinigung des Seegrases erfolgt.
Das Materialkonzept macht die Pflanze erlebbar: Neben einer geflochtenen Seegrasfassade kommen Lehm sowie Fundamente aus ReUse-Beton zum Einsatz. Um die ökologischen Vorteile dieses kreislauffähigen Pionierprojekts präzise zu bilanzieren und den CO₂-Fussabdruck über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu optimieren, kam EcoTool ebenfalls zum Einsatz.
«Mit EcoTool konnten wir die ökologischen Auswirkungen unserer Materialentscheide über den gesamten Gebäude-Lebenszyklus analysieren und gezielt optimieren. So haben wir die Kombination aus Seegras, Holz, Lehm und ReUse-Beton nicht nur gestalterisch, sondern auch ökologisch fundiert bewertet.»
«Es war spannend zu sehen, wie gestalterische und konstruktive Entscheidungen die Ökobilanz beeinflussen. Selbst für innovative Materialien wie Seegras konnten wir dank des Supports vom EcoTool-Team eine optimale Vergleichslösung integrieren und die Nachhaltigkeit gezielt analysieren.»
Fachübergreifende Begleitung durch Experten
Hinter dem Erfolg des IDP steht ein breit abgestütztes Team aus Dozierenden und Fachexperten. Unter der Leitung von Prof. Katharina Lindenberg (Digitale Methoden und Nachhaltige Entwicklung) wird das Projekt von Spezialisten aus den Bereichen Architektur, Tragwerksplanung, Holzbau und Baumanagement begleitet. Diese fachübergreifende Betreuung stellt sicher, dass die Studierenden nicht nur innerhalb ihrer Teams kollaborieren, sondern auch in den Reviews und Coachings Impulse aus verschiedenen Fachperspektiven erhalten. Die Lehre spiegelt somit genau jene Interdisziplinarität wider, die später in der Berufspraxis für das Gelingen nachhaltiger Projekte entscheidend ist.
«Dank EcoTool und des Bauteilgenerators konnten Studierende in interdisziplinären Teams eigenständig nachhaltige Konstruktionen entwickeln. Die Plattform bereitete eine ausgezeichnete fachliche Basis, um mit dem disziplinären Wissen gemeinsam an innovativen Lösungen zu arbeiten – alles mit dem klaren, durch EcoTool messbaren Ziel.»
Fazit: Future Skills für die Bauwende
Das IDP an der BFH verdeutlicht, dass nachhaltiges Bauen das Ergebnis einer gelungenen Koordination zwischen den Fachbereichen ist. Durch den Einsatz von EcoTool lernen die Studierenden, ökologische Kennwerte frühzeitig als hilfreiche Parameter in ihren Entwurfsprozess zu integrieren. Das Projekt fördert so die notwendigen Kompetenzen, um die Zusammenarbeit im Bausektor langfristig in Richtung Klimaverträglichkeit zu stärken.
Messbare Nachhaltigkeit
EcoTool wird in realen Projekten eingesetzt – von der frühen Planung bis zur Entscheidungsfindung.
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Bauherrschaften: EcoTool als Entscheidungsgrundlage nutzen






